
Wer von uns kommt jemals auf die Idee, dass wir selbst an der Arzneimittelverknappung eine heftige Mitschuld tragen? Tatsächlich gibt es unzählige Gründe für eine zeitweise oder längere Verknappung der Arzneimittelversorgung. Und fast alle sind miteinander verknüpft, so dass sie sich potenzieren können, was die Sache noch brisanter macht.
Lieferengpässe betreffen fast alle Warenwirtschafts-Sektoren (über Haushalt, Unterhaltungselektronik bis zu Fahrzeugen wie Autos und Velos). Lebensbedrohlich oder zumindest vital kann es aber bei einem Arzneimittelmangel kommen, besonders wenn wirksame Alternativen fehlen und ein Ausweichen nicht möglich ist.
Versorgungsengpässe haben primär in der immer weiter zunehmenden Globalisierung ihre Ursache und betreffen alle Länder – und die Auswirkungen zeigen sich logischerweise in den Ländern mit der grössten Nachfrage (aber nicht unbedingt mit dem grössten Bedarf) – Doch was steckt eigentlich unter anderem hinter dem Wort Globalisierung?
Gewinnoptimierung gepaart mit umstrittenen Sparübungen führen dazu, dass Medikamente möglichst billig angeboten werden müssen. Politik und Institutionen (zB. Krankenkassen) pushen diese Entwicklung ohne viel Weitsicht. Alle Handelsketten müssen dafür herhalten. Teure Produktionsorte werden auf billigere ausgelagert. Autonomere Inlandproduktion wird geopfert und kann weder schnell noch ökonomisch wiederhergestellt werden. Produktions- und Entsorgungs-Risiken werden ausgelagert. Qualitätsstandards und administrativer Aufwand nehmen ohne Ende zu. Mpüssen wir uns da an der eigenen Nase nehmen? Ist „unkritische Sparwut“ nicht ein Eigentor? Sind wir nicht blind für die „Billiglüge“?
Es ist keineswegs ein Zufall, dass sich unter den betroffenen Medikamenten vor allem Generika befinden. Dort kann kaum mehr eingespart werden. Sie rentieren wenig, und immer mehr Generikaproduzenten werden den Laden dicht machen.
Totalitäre Regimes verhängen Handels-Boykotte und blockieren weltweit Transporte an zentralen Transport-Umschlagsorten. Hinzu kommen Kriege und eine unterschätzte Auswirkung einer Pandemie, deren Mitschuld aber schwer zu quantifizieren ist und als billige Ausreden nicht hinreichend sind. Es besteht also ein dringender Verdacht: Wir sind blind für die Gründe, die von Verrückten verursacht werden.
Die sekundären Gründe:
Die Aufzählung ist summarisch gedacht und sicher nicht vollständig.
Hinter Wirtschaftsproblemen und Warenverknappung stehen handfeste pekuniäre Interessen, die jedoch ohne Weitsicht und unkontrolliert aus dem Ruder laufen müssen. Es wird immense und unerhört grosse Anstrengungen zur Umkehr der Entwicklung benötigen. Und in der Verantwortung sind primär und letztlich zugleich wir selbst. Solange wir blind bleiben, wird sich bestimmt nichts verbessern.